Florian Grebien vom LBI für Krebsforschung bewirbt sich erfolgreich für START-Förderung des Europäischen Forschungsrates

Dr. Florian Grebien, recipient of a ERC starting grant

Florian Grebien vom Ludwig Boltzmann Institut für Krebsforschung (LBI-CR) wird einen der begehrten Starting Grants des Europäischen Forschungsrates (ERC) erhalten. Es ist der erste ERC Grant, der an einen Forscher der Ludwig Boltzmann Gesellschaft gehen wird. Mit Hilfe der 1,5 Mio € Förderung wird Grebien seine Forschungsgruppe ausbauen, die er seit Januar 2014 mit Unterstützung des Instituts gegründet hat. Er erforscht wie Blutkrebs entsteht und fortschreitet mit einer eigens dafür entwickelten Technologieplattform. Mit einer innovativen Kombination modernster Methoden will er Schlüsselmoleküle finden, die auch als Grundlage für die Entwicklung neuer Therapien benützt werden können.

Pathologische Prozesse, die der Entstehung von Krebserkrankungen zugrunde liegen, sind der Forschungsfokus von Florian Grebien und seinem Team. Sie kombinieren neue Zellsysteme mit modernsten systematischen Ansätzen, um eine umfassende Charakterisierung von krebsauslösenden Mutationen zu erreichen. Florian Grebien: „Durch funktionelle Studien wollen wir aus allen menschlichen Genen eine begrenzte Anzahl von Kandidaten identifizieren, die uns zu bislang unbekannten molekularen Schwachstellen in einer Krebszelle führen.“ Die Ergebnisse werden an Mausmodellen und Patientenmaterial validiert, um zu bestimmen, ob sich neue Medikamente auf der Basis dieser Erkenntnisse entwickeln lassen. Das ist eine besondere Stärke des LBI-CR, das sich als Kompetenzzentrum für vergleichende Krebsforschung etabliert hat.

Funktionelle Validierung von genetischen Daten als Flaschenhals moderner Biologie

Neue genetische Studien ergeben eine immer schneller wachsende Zahl an Mutationen, die zur Krebsentstehung beitragen können. Eine gründliche experimentelle Validierung dieser Veränderungen mit gängigen Methoden kann nicht mit der Produktion von genomischen Daten mithalten, deren Tempo sich durch methodische Fortschritte ständig beschleunigt. Daher ist derzeit die Entwicklung neuartiger Werkzeuge für die funktionelle Analyse dieser Ergebnisse eine der großen wissenschaftlichen Herausforderungen. Florian Grebien hat mit seinen Kollaborationspartnern eine Discovery Pipeline entwickelt, mit der er diese Lücke schließen möchte: „Die Datenmengen, die moderne genetische Methoden produzieren sind inzwischen selbst mit Computerprogrammen kaum mehr zu bewältigen. Deshalb halte ich es für wichtig, dass wir Biologen Strategien entwickeln, die diese Daten zumindest in Ansätzen im biologischen System validieren können. Ich freue mich natürlich, dass der ERC meine Auffassung teilt und mir mit der ausgesprochenen Förderung die Durchführung meiner Forschung auf allerhöchstem Niveau ermöglicht.“

Vertrauensvorschuss in herausragende junge Forscher lohnt sich

Für junge Wissenschaftler stellt der Übergang zum unabhängigen Forschen mit einem eigenen Team eine große Hürde dar. In vielen nationalen Forschungssystemen ist dieser große Schritt nur schwer zu meistern, weil nicht nur geeignete Fördermöglichkeiten sondern auch Stellen mit wissenschaftlichem Entwicklungspotential fehlen. Die ERC Starting Grants sollen mit ihrer finanziellen Unterstützung die Abwanderung junger Talente begrenzen. Aber junge Forscher benötigen im Idealfall eine Institution, die ihnen den nötigen Vertrauensvorschuss und die Möglichkeit gibt, ihre eigenen Forschungsprogramme zu entwickeln. Genau hier versucht die Ludwig Boltzmann Gesellschaft (LBG) Akzente zu setzen. Ihre Ludwig Boltzmann Institute sollen als Inkubatoren für neue Initiativen von jungen Forschenden fungieren, die sich im Erfolgsfall in der österreichischen Wissenschaftslandschaft etablieren. Claudia Lingner, Geschäftsführerin der Ludwig Boltzmann Gesellschaft dazu „Wir sind sehr stolz auf unseren ersten ERC Grant in der Ludwig Boltzmann Gesellschaft und gratulieren Florian Grebien zu diesem Erfolg. Als Forschungsinkubator ist das Ludwig Boltzmann Institut für Krebsforschung ein herausragendes Beispiel dafür, wie erfolgreich unsere Strategie sein kann, Vertrauen in junge Forscher zu setzen und Ihre Weiterentwicklung zu fördern. Wir verstehen diese Auszeichnung als Ansporn, unseren Weg fortzuführen. Mit unserer aktuellen Ausschreibung, die am 17. November gestartet hat, wollen wir weitere vielversprechende Ludwig Boltzmann Institute gründen.“ Anträge zur Gründung von neuen LBI können noch bis zum 20. Jänner 2015 eingereicht werden (www.lbg.ac.at/ausschreibung).

Das LBI-CR wurde 2005 als ein Inkubatorinstitut gegründet und erhielt Anfang dieses Jahres drei Stiftungsprofessuren. Die entstandene wissenschaftliche Exzellenz des LBI-CR wurde somit nachhaltig im österreichischen Wissenschaftssystem verankert. Um weiterhin Forschung mit einer kritischen Größe betreiben zu können hat sich das LBI-CR entschieden mit einer neuen Forschungsgruppe ein junges Forschungstalent zu fördern. Florian Grebien wurde rekrutiert um ihm die Möglichkeit zu geben seine herausragende Forschung unabhängig weiter zu führen. Richard Moriggl, Direktor des LBI-CR: „Florian Grebien ist eine wichtige Bereicherung für unser Institut, um neue Technologien einzuführen und innovative, kritische Fragestellungen gemeinsam zu erarbeiten. Wir haben in eine junge Forschergruppe investiert und Eigeninteressen der etablierten Gruppen zurückgestellt, um diese Investition zu ermöglichen. Die LBG hat uns hier mit einer leistungsbezogenen Finanzierung unterstützt. So freut es mich umso mehr, dass Dr. Grebien sich in dieser starken Konkurrenz erfolgreich durchsetzen konnte und auch die internationalen Gutachter des Europäischen Forschungsrates dieses Projekt positiv bewertet haben. Wir sind zuversichtlich, dass diese Stärkung unserer Krebsforschung in den nächsten Jahren Früchte tragen wird.“

Über ERC Starting-Grants

Der Europäische Forschungsrat (European Research Council – ERC) wurde 2007 eingerichtet und fördert erstmals auf EU-Ebene risikoreiche, grundlagenorientierte Forschung. Er wird über das Forschungsrahmenprogramm der EU finanziert und richtet sich an Einzelforschende jeder Nationalität, die in Europa forschen möchten. Der Europäische Forschungsrats ERC vergibt einmal im Jahr die begehrten START Förderungen an herausragende Nachwuchsforscher. Die zuletzt über 3.000 Förderansuchen werden in einem strengen Auswahlverfahren evaluiert, wobei die Erfolgsrate deutlich unter zehn Prozent liegt. Die Evaluierung erfolgt durch internationale Experten, die wissenschaftliche Exzellenz als einziges Kriterium ihrer Bewertung anwenden. Die Förderungen sind nicht nur aufgrund der großzügigen finanziellen Zuwendung von 1,5 Millionen Euro über fünf Jahre äußerst begehrt. Sie verschaffen den Nachwuchswissenschaftlern auch in einer wichtigen Karrierephase wissenschaftliche Freiräume, die in der europäischen Forschungslandschaft oft fehlen.

Über das Ludwig Boltzmann Institut für Krebsforschung (LBI-CR):

Das LBI-CR konzentriert sich auf die Entwicklung neuer Mausmodelle für Krebserkrankungen und deren Analyse um neue Einsichten über die Grundlagen von Krebserkrankungen zu erreichen. Das Institut forscht auf internationalem Niveau an den Grundlagen der Krebsentstehung mit modernsten genetischen Methoden. Mit einem besonderen Fokus für die Signalkooperation in Tumorzellen verfolgen die Forscher das Ziel wissenschaftliche Errungenschaften in neue therapeutische Ansätze zu übersetzen. Das LBI-CR führt seine Forschung in enger Zusammenarbeit mit seinen Partnern Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie, Medizinische Universität Wien, Veterinärmedizinische Universität, St. Anna Kinderkrebsforschung und TissueGnostics durch.

Dr. Florian Grebien leitet seit Januar 2014 eine Forschungsgruppe am LBI-CR. Er promovierte 2007 an der Universität Wien. Danach forschte Dr. Grebien am Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Akademie der Wissenschaften (CeMM) in der Forschungsgruppe von Prof. Giulio Superti-Furga. Er ist Autor von 20 wissenschaftlichen Publikationen.

Über die Ludwig Boltzmann Gesellschaft:

Die Ludwig Boltzmann Gesellschaft (LBG) ist der Forschungsinkubator im Bereich der Health Sciences und betreibt 20 Forschungseinrichtungen (Ludwig Boltzmann Institute/LBI) mit rund 550 MitarbeiterInnen. Die LBG steht mit ihrem Motto „Nahe am Menschen“ für die Behandlung gesellschaftsrelevanter Forschungsfragen.

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Bericht im online Standard