LBI-CR Jahres-Tagung 2013 in Obergurgl

Krebsforscher nehmen versteckte Aktivitäten von Tumorzellen ins Visier

Auf der Jahrestagung des Ludwig Boltzmann Instituts für Krebsforschung trafen sich über 40 renommierte Wissenschaftler aus Österreich, Deutschland, USA und der Schweiz im Universitätszentrum Obergurgl der Universität Innsbruck am 16. bis 17. April. Sie präsentierten und diskutierten ihre aktuellen Arbeiten in der experimentellen Krebsforschung. Allgemeiner Konsens bestand darüber, dass derzeit ein wichtiger Forschungsschwerpunkt die Interaktion von Tumorzellen mit ihren umgebenden Zellen, dem Stroma, ist.
 

Tumoren entstehen aus genetisch veränderten Zellen, die in der Lage sind, sich der strengen Proliferationskontrolle zu entziehen und sich unkontrolliert zu vermehren. Krebsuaslösende Mutationen können entweder Gene aktivieren, die Krebs antreiben, so genannte Onkogene, oder andere Gene ausschalten, die üblicherweise Krebswachstum hemmen, sogenannte Tumorsuppressoren. Nach dem Verlust dieser Tumorsupressoren beschleunigt sich das Wachstum von Tumoren, wie bei einem Auto ohne Bremsen. Damit der ursprüngliche Tumor zu einer lebensbedrohlichen Krebserkrankung wird, müssen Tumorzellen unterschiedliche Eigenschaften erwerben, wie sich dem Immunsystem zu entziehen oder Blutgefäße zu rekrutieren. Letztlich erreichen ursprünglich gutartige Tumorzellen die Fähigkeitl in andere Geweben einzuwandern. Diese Metastasierung stellt eine entscheidende Herausforderung für die Therapie dar, weil Medikamente alle diese Tumorzellen erreichen müssen um eine heilung zu ermöglichen.


Prof. Greil (Salzburg) präsentiert seine aktuellen Ergebnisse auf der Jahrestagung 2013 des LBI-CR in Obergurgl
 

Tumorprogression ist Gegenstand intensiver Forschung und führende Wissenschaftler erwarten mit der Aufklärung neuer Funktionen wichtige Hinweise auf mögliche Therapieformen. Dr. Lukas Kenner, Pathologe am LBI-CR in Wien: "Tumoren sind komplex und mit verschiedenen Geweben in engem Kontakt. Pathologen sind sich dessen bereits lange bewusst, aber wir hatten in der Vergangenheit oft nicht die experimentellen Mittel Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Zellen im Detail zu untersuchen." Mit der Etablierung neuer Mausmodelle für Krebserkrankungen rückt ein Ziel aktueller Forschung in zunehmend greifbare Nähe, wissenschaftliche Erkenntnisse unverzüglich in therapeutische Maßnahmen umzusetzen. Dr. Moriggl is überzeugt: "Wissenschaftliche Ergebnisse aus geeigneten Maus-Modellen identifizieren bisher versteckte Aktivitäten von Tumorzellen und ihren Helfershelfern, den Stromazellen. Wenn wir unser mechanistischen Verständnis für die Interaktionen zwischen Tumoren und anderen Geweben verbessern, verbessern wir auch unser Wissen wie Krebs behandelt werden kann." Neue Forschungsergebnisse liefern immer öfter Hinweise darauf, wie man mit bekannten Medikamenten bislang nicht therapierbare Tumoren behandeln kann. In Mausmodellen können diese Hinweise durch präklinische Tests validiert werden. Somit ist translationale Krebsforschung mit gentechnisch veränderten Mausmodellen ein wichtiges Element in der Entwicklung neuer therapeutischer Ansätze. Das Know-how in der Mausgenetik kombiniert mit klinischer Expertise ermöglicht so Krebspatienten schnelleren Zugang zu Behandlungen, die auf neuesten wissenschaftlichen Ergebnisse basieren.